Nachfolgeprozess

Die Unternehmensnachfolge ist ein vielseitiger Prozess, in welchem rechtliche, steuerliche, finanzielle, organisatorische und wirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen sind. Der Nachfolgeprozess lässt sich wie folgt strukturieren:

1. Situationsanalyse

Die Unternehmensnachfolge beginnt mit einer fundierten Analyse der aktuellen Ausgangslage. Dabei werden die wirtschaftliche Situation, die Eigentümerstruktur sowie persönliche Ziele und zeitliche Rahmenbedingungen erfasst. Ziel ist es, Klarheit über die Möglichkeiten einer Nachfolgelösung zu schaffen.

2. Nachfolgeplanung

In dieser Phase wird die Nachfolge strategisch vorbereitet. Dazu gehören die Bewertung des Unternehmens, die Klärung rechtlicher und steuerlicher Fragen sowie die Definition eines Zeitplans. Auch die Kommunikation mit Mitarbeitenden, Geschäftspartnern und weiteren Beteiligten wird frühzeitig berücksichtigt, um den Prozess transparent und geordnet zu gestalten.

3. Nachfolge identifizieren

Die Auswahl einer geeigneten Nachfolge ist ein zentraler Schritt. Ob familienintern, unternehmensintern oder extern – es gilt, klare Kriterien zu definieren und potenzielle Kandidaten sorgfältig zu prüfen. Neben fachlicher Eignung spielen auch persönliche Werte, Führungsfähigkeiten und die langfristige Perspektive eine wichtige Rolle.

4. Übergabeprozess durchführen

Die Übergabe erfolgt strukturiert und rechtlich abgesichert. Dazu zählen die Ausarbeitung und Unterzeichnung von Verträgen, die Übertragung von Verantwortlichkeiten sowie die operative Einführung des Nachfolgers. Ein klarer Ablaufplan und eine enge Begleitung durch die bisherigen Verantwortlichen erleichtern den Übergang.

5. Integration und Stabilisierung

Nach der Übergabe beginnt die Phase der Integration. Der Nachfolger wird in die Organisation eingebunden, übernimmt Führungsaufgaben und entwickelt das Unternehmen weiter. Gleichzeitig wird die Akzeptanz bei Mitarbeitenden und Kunden gefördert. Ziel ist eine stabile und zukunftsfähige Unternehmensführung.

Unternehmensbewertung

Grundlage für eine fundierte Nachfolgeentscheidung

Die Unternehmensbewertung ist ein zentraler Bestandteil jeder Nachfolgeplanung. Sie liefert eine objektive Einschätzung des wirtschaftlichen Werts eines Unternehmens und bildet die Basis für Kaufpreisverhandlungen, steuerliche Überlegungen und strategische Entscheidungen. Eine nachvollziehbare Bewertung, welche den inneren Wert berücksichtigt, schafft Vertrauen zwischen Verkäufer und Käufer und erleichtert die Übergabe.

Je nach Zielsetzung, Unternehmensstruktur und Branche kommen unterschiedliche Bewertungsverfahren zum Einsatz. Im Folgenden werden die gängigsten Methoden kurz erklärt:

1. Ertragswertverfahren

Das Ertragswertverfahren basiert auf der Annahme, dass der Wert eines Unternehmens durch seine zukünftigen Gewinne bestimmt wird. Die erwarteten Jahreserträge werden auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst, wobei ein Kapitalisierungszinssatz verwendet wird, der das Risiko und die Marktbedingungen berücksichtigt.

Typisch für: kleine und mittlere Unternehmen mit stabiler Ertragslage
Vorteil: Berücksichtigt die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens
Nachteil: Abhängig von realistischen Prognosen und Annahmen

2. Substanzwertverfahren

Hier wird der Wert des Unternehmens anhand seiner vorhandenen Vermögenswerte berechnet – z. B. Maschinen, Gebäude, Vorräte und liquide Mittel. Immaterielle Werte wie Kundenbeziehungen oder Know-how werden meist nicht berücksichtigt.

Typisch für: kapitalintensive Betriebe (z. B. Produktion, Landwirtschaft)
Vorteil: Einfach und transparent
Nachteil: Keine Berücksichtigung der Ertragskraft oder Zukunftspotenziale

3. Praktikermethode

Die Praktikermethode kombiniert den Ertragswert und den Substanzwert zu einem gemittelten Unternehmenswert. Häufig wird dabei ein Gewicht von zwei Dritteln auf den Ertragswert und ein Drittel auf den Substanzwert gelegt. Diese Methode ist besonders im KMU-Bereich verbreitet, da sie sowohl die Ertragskraft als auch die Vermögensbasis berücksichtigt. Unternehmen ohne Kurswert werden durch die Steuerbehörde ebenfalls nach dieser Methode jährlich bewertet.

Typisch für: kleine und mittlere Unternehmen, insbesondere im Handwerk und Gartenbau
Vorteil: Ausgewogene Bewertung, praxisnah und nachvollziehbar
Nachteil: Gewichtung ist nicht standardisiert und kann subjektiv sein

4. Discounted Cashflow (DCF)

Das DCF-Verfahren bewertet ein Unternehmen auf Basis seiner zukünftigen Zahlungsströme (Cashflows). Diese werden prognostiziert und mit einem geeigneten Zinssatz auf den heutigen Wert abgezinst. Es handelt sich um ein international anerkanntes Verfahren, das vor allem bei grösseren Unternehmen Anwendung findet.

Typisch für: wachstumsorientierte Unternehmen mit komplexer Struktur
Vorteil: Detaillierte Zukunftsbetrachtung
Nachteil: Hoher Datenbedarf und sensitiv gegenüber Annahmen

5. Multiplikatorverfahren

Beim Multiplikatorverfahren wird der Unternehmenswert durch Vergleich mit ähnlichen Unternehmen ermittelt. Dabei werden Kennzahlen wie Umsatz, EBIT oder EBITDA mit marktüblichen Multiplikatoren multipliziert. Diese Methode ist besonders in Branchen mit vielen Transaktionen verbreitet.

Typisch für: Dienstleistungs- und Handelsunternehmen
Vorteil: Schnell und marktbezogen
Nachteil: Abhängig von verfügbaren Vergleichsdaten

Welche Unterlagen werden für eine Unternehmensbewertung benötigt?

Die Unternehmensbewertung ist ein zentraler Bestandteil bei Unternehmensverkäufen, Nachfolgeregelungen, Investitionsentscheidungen oder strategischen Planungen. Um eine fundierte Bewertung durchführen zu können, sind verschiedene Unterlagen erforderlich, die einen umfassenden Einblick in die wirtschaftliche Lage und die Zukunftsaussichten des Unternehmens geben.

1. Finanzunterlagen

Diese bilden die Grundlage jeder Bewertung:

  • Jahresabschlüsse der letzten 3–5 Jahre (Bilanz, Erfolgsrechnung, Anhang)
  • Betriebswirtschaftliche Auswertungen (z.B. Kennzahlenauswertungen)
  • Steuererklärungen und Steuerbescheide
  • Liquiditätsplanung und Cashflow-Rechnungen

2. Planungsunterlagen

Für die Zukunftsprognose sind folgende Dokumente wichtig:

  • Businessplan oder strategische Planung
  • Budgetplanung
  • Investitionsplanungen
  • Personalplanung

3. Rechtliche und organisatorische Dokumente

Sie geben Auskunft über die rechtliche Struktur und mögliche Risiken:

  • Gesellschaftsverträge
  • Verträge mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern
  • Miet- und Leasingverträge
  • Patente, Markenrechte, Lizenzen

4. Sonstige relevante Informationen

  • Markt- und Wettbewerbsanalysen
  • Unternehmensstruktur und Organigramm
  • Informationen zu bestehenden Verbindlichkeiten und Forderungen

Formen der Unternehmensnachfolge

Die Unternehmensnachfolge kann auf unterschiedliche Weise erfolgen – je nach familiärer Situation, strategischer Ausrichtung und Marktgegebenheiten. Die Wahl der passenden Nachfolgeform hat grossen Einfluss auf den Ablauf, die Finanzierung und die Zukunft des Unternehmens. Im Folgenden werden die wichtigsten Modelle vorgestellt:

1. Familieninterne Nachfolge (Family-Buy-Out)

Bei der familieninternen Nachfolge übernimmt ein Familienmitglied – häufig ein Kind oder ein Ehepartner – die Unternehmensführung. Diese Form ist besonders emotional geprägt und erfordert eine frühzeitige Vorbereitung sowie klare Rollenverteilungen.

Vorteile:

  • Kontinuität in der Führung
  • Erhalt der Unternehmenskultur
  • Hohe Identifikation mit dem Betrieb

Herausforderungen:

  • Klärung von Erb- und Besitzverhältnissen
  • Eignung und Interesse der Nachfolgeperson
  • Konfliktpotenzial innerhalb der Familie

2. Unternehmensinterne Nachfolge (Management Buy-Out, MBO)

Hier übernehmen Mitarbeitende oder Führungskräfte aus dem Unternehmen die Nachfolge. Diese kennen die Abläufe und Strukturen bereits und können den Betrieb nahtlos weiterführen.

Vorteile:

  • Geringe Einarbeitungszeit
  • Hohe Fachkenntnis und Betriebserfahrung
  • Stabile Übergabe

Herausforderungen:

  • Finanzierung durch die Nachfolgeperson
  • Klärung der Eigentumsverhältnisse
  • Verhandlung der Kaufbedingungen

3. Externe Nachfolge (Management Buy-In, MBI oder Verkauf an Dritte)

Bei der externen Nachfolge wird das Unternehmen an eine aussenstehende Person oder ein anderes Unternehmen verkauft. Dies kann über eine Inserateplattform, einen Berater oder ein Netzwerke erfolgen.

Vorteile:

  • Breitere Auswahl an potenziellen Käufern
  • Möglichkeit zur strategischen Neuausrichtung
  • Unabhängigkeit von familiären Bindungen

Herausforderungen:

  • Einarbeitung und Akzeptanz im Unternehmen
  • Sicherstellung der Unternehmenskontinuität
  • Vertraulichkeit und Diskretion im Verkaufsprozess

4. Beteiligungsmodelle

In manchen Fällen erfolgt die Nachfolge schrittweise über Beteiligungen – z. B. durch stille Teilhaber, Investoren oder Beteiligungsgesellschaften. Diese Modelle eignen sich besonders für komplexe Übergaben oder zur Finanzierung des Kaufpreises.

Vorteile:

  • Flexibler Übergang
  • Möglichkeit zur Risikoteilung
  • Zugang zu Kapital und Know-how

Herausforderungen:

  • Abstimmung der Interessen
  • Mitspracherechte und Entscheidungsbefugnisse
  • Langfristige Bindung

Finanzierung der Unternehmensnachfolge

Die Finanzierung einer Unternehmensnachfolge stellt für viele Käufer eine zentrale Herausforderung dar. Der Kaufpreis, mögliche Investitionen in die Zukunft des Unternehmens sowie laufende Betriebskosten müssen sorgfältig geplant und abgesichert werden. Eine solide Finanzierungsstruktur ist entscheidend für den nachhaltigen Erfolg der Nachfolge.

1. Eigenkapital

Ein Teil der Finanzierung erfolgt in der Regel durch eigenes Kapital des Nachfolgers/der Nachfolgerin. Dies erhöht die Kreditwürdigkeit und reduziert die Abhängigkeit von Fremdmitteln. Je höher der Eigenkapitalanteil, desto stabiler ist die Finanzierung.

2. Fremdkapital

Bankkredite sind eine häufig genutzte Finanzierungsquelle. Dabei sind eine gute Vorbereitung, ein überzeugender Businessplan und eine realistische Bewertung des Unternehmens essenziell. Die Kreditvergabe hängt stark von der Bonität und der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens ab.

3. Verkäuferdarlehen

In manchen Fällen beteiligt sich die Verkäuferseite an der Finanzierung, indem ein Teil des Kaufpreises als Darlehen gewährt wird. Dies schafft Vertrauen und ermöglicht eine flexiblere Zahlungsstruktur.

4. Beteiligungsmodelle

Auch Investoren oder Beteiligungsgesellschaften können in die Finanzierung eingebunden werden. Diese bringen neben Kapital oft auch Know-how und Netzwerke mit. Solche Modelle eignen sich besonders bei grösseren Nachfolgelösungen oder strategischen Neuausrichtungen.

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